Frankfurt 2042 – Band 1

Die Flucht

Das Treppenhaus lag still. Irgendwo unter ihnen schlug eine Tür, Musik quoll heraus und wurde wieder abgeschnitten. Die Nachbarn feierten oder taten so, und keiner von ihnen würde später irgendetwas gehört haben. In dieser Stadt hörte nie jemand etwas.

Nato blieb vor einer Wandklappe stehen. Mülleinwurf, Edelstahl, halb blind vor Fingerabdrücken.

Hier. Drei Meter Fall, gedämpfte Landung.

»Gedämpft durch was?«

Statistisch: Verpackungsmaterial.

»Statistisch«, sagte Ray, und stieg in den Schacht.

Der Fall war kurz, und die Landung war Verpackungsmaterial, größtenteils. Er lag einen Moment in der Dunkelheit auf dem Rücken, zwischen Kartons und etwas, das er nicht genauer wissen wollte, und hörte oben die Klappe zuschlagen. Dann ein Geräusch wie ein Sack Zement, direkt neben ihm: Nato. Der Hund stand schon, bevor Ray sich aufgesetzt hatte.

Keller. Dritte Tür links, dann das Gitter.

Der Keller roch nach nassem Beton und altem Öl. Hinter der dritten Tür lag ein Technikraum, in dem seit Jahren niemand mehr Ordnung gehalten hatte, und hinter einem Wandgitter, dessen Schrauben jemand vor langer Zeit gelockert hatte, lag die Kanalisation.

Das Wasser stand schienbeinhoch und war wärmer, als Ray lieb war. Er fragte nicht, warum. Über ihnen zog Licht über die Gullideckel, in gleichmäßigen Abständen, ein Raster, das sich durch die Straßen arbeitete. Einmal Stiefel, viele, im Laufschritt. Dann wieder nur Wasser.

Sie durchsuchen jetzt die Wohnung, sagte Nato. Wir haben acht Minuten Vorsprung.

»Woher weißt du das?«

Ich höre ihren Funk.

Ray watete weiter. Silvester, dachte er. Die halbe Stadt besoffen auf den Ebenen, Feuerwerk über dem Main — und ich stapfe mit einem sprechenden Hund durch die Kanalisation, weil meine tote Kundin mir einen Job hinterlassen hat, den keiner erklärt.

»Wohin überhaupt?«, fragte er laut.

Nach Hause.

»Deine Sorte Zuhause oder meine?«

Deine.